Hormone ersetzen oder den Körper regulieren? Warum ich seit 17 Jahren anders auf Hormone schaue

Hormone sind wieder in aller Munde.

Vor allem in den Wechseljahren wird heute viel offener über Estradiol, Progesteron oder Testosteron gesprochen. Das ist grundsätzlich positiv. Frauen sollen wissen, was in ihrem Körper passiert und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

Was mir dabei allerdings zunehmend fehlt, ist der Blick auf das Ganze.

Denn hormonelle Beschwerden entstehen nicht immer nur deshalb, weil ein einzelnes Hormon zu niedrig ist.

Und genau das prägt meine Arbeit bis heute.

Meine Anfänge in der ganzheitlichen Frauenheilkunde

Ich arbeite seit über 17 Jahren in der ganzheitlichen Frauenheilkunde.

Als ich angefangen habe, gab es viele Möglichkeiten, die heute selbstverständlich erscheinen, noch nicht.

Hormoncremes in D4-Potenzen standen uns damals nicht zur Verfügung.

Wir arbeiteten mit Hormon-Globuli, Naturheilkunde, anthroposophischer Medizin, Pflanzenheilkunde, Homöopathie und Mikronährstoffen.

Das hatte einen entscheidenden Vorteil:

Wir mussten sehr genau verstehen, warum eine Frau hormonelle Beschwerden entwickelt.

Denn wir konnten nicht einfach eine Creme mit Progesteron oder Estradiol einsetzen.

Also mussten wir andere Fragen stellen:

Was macht die Schilddrüse?

Wie arbeitet die Nebenniere?

Wie sieht die Cortisolregulation aus?

Wie funktionieren Leber und Darm?

Wie stabil ist der Stoffwechsel?

Welche Mikronährstoffe fehlen?

Wie wirken Stress, Schlaf oder Ernährung auf den Hormonhaushalt?

Ich habe die Frauenheilkunde dadurch von der Pike auf gelernt.

Und genau daraus ist meine heutige Haltung entstanden:

Hormone niemals isoliert betrachten.

Hormonersatz kann sinnvoll sein

Hormonersatztherapie und ganzheitliche Hormonregulation sind für mich keine Gegner.

Eine medizinische Hormonersatztherapie kann für Frauen mit starken Wechseljahresbeschwerden eine wichtige und sehr wirksame Behandlung sein.

Vor allem Beschwerden wie starke Hitzewallungen, Nachtschweiß, Schlafprobleme oder Veränderungen der Vaginalschleimhaut können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.

Hier können Estradiol, Progesteron oder andere Hormone sinnvoll eingesetzt werden.

Aber:

Hormonersatz bedeutet zunächst einmal, dass Hormone von außen zugeführt werden, wenn der Körper sie nicht mehr ausreichend produziert.

Damit unterscheidet sich dieser Ansatz grundsätzlich von der Frage:

Warum kommt diese Frau mit ihrer hormonellen Situation so schlecht zurecht?

Und genau diese zweite Frage interessiert mich besonders.

Wechseljahre sind mehr als Progesteronmangel und Östrogendominanz

Gerade die Perimenopause zeigt sehr deutlich, wie komplex hormonelle Veränderungen sind.

Bei vielen Frauen verändert sich zunächst die Progesteronbildung.

Eisprünge werden unregelmäßiger oder weniger stabil. Dadurch kann weniger Progesteron gebildet werden.

Estradiol kann gleichzeitig noch kräftig schwanken.

Das bedeutet:

Eine Frau kann bereits deutliche Beschwerden haben, obwohl Estradiol noch gar nicht dauerhaft niedrig ist.

Erst später nimmt auch die Estradiolproduktion zunehmend ab.

Deshalb halte ich die einfache Gleichung

"Beschwerde = Hormonmangel = Hormon geben"

für zu kurz gedacht.

Hormone arbeiten nie allein

Der Hormonhaushalt ist mit vielen anderen Bereichen des Körpers verbunden.

Dazu gehören unter anderem:

  • Schilddrüse
  • Nebenniere und Cortisol
  • Blutzucker und Insulinstoffwechsel
  • Leber
  • Darm
  • Niere
  • Mikronährstoffe
  • Schlaf
  • Stress
  • Bewegung und Muskelstoffwechsel

Wenn eine Frau hormonelle Beschwerden entwickelt, interessiert mich deshalb nicht nur ihr Estradiol- oder Progesteronwert. Sondern auch Testosteron, DHEA, Estriol und Cortisol sowie Ihre Schilddrüsenwerte TSH, fT4 und fT3. Ich frage auch nach der Darmgesundheit - wie Blähungen, Verstopfung, Durchfall, ... Leber-Gallefunktion wie Völlegefühl nach dem Essen, bekannten Gallensteinen, ....

Ich möchte verstehen:

Wie funktioniert ihre gesamte hormonelle und stoffwechselbezogene Regulation?

Denn zwei Frauen können einen ähnlichen Hormonstatus haben und trotzdem völlig unterschiedliche Beschwerden entwickeln.

Genau diese Unterschiede sind therapeutisch spannend.

Als die Hormoncremes kamen, änderten sich die Möglichkeiten

Als später bioidentische Hormoncremes in D4-Potenzen verfügbar wurden, war das für meine Arbeit eine wichtige Erweiterung.

Ich konnte Hormone nun gezielter in meine naturheilkundliche Behandlung einbeziehen.

Je nach Situation arbeite ich beispielsweise mit Progesteron, Estradiol, Estriol, DHEA, Testosteron oder Cortisol in niedrigen Potenzen.

Aber eines hat sich nicht verändert:

Eine Hormoncreme ersetzt für mich niemals den Blick auf den gesamten Körper.

Denn auch wenn Hormone Teil der Therapie sind, bleiben Schilddrüse, Nebenniere, Stoffwechsel, Leber, Darm und Mikronährstoffe genauso wichtig.

Mein Grundsatz ist deshalb seit vielen Jahren:

So viel Hormon wie nötig, so wenig wie möglich.

Hormonregulation bedeutet nicht, die Wechseljahre aufzuhalten

Auch das ist mir wichtig.

Wir können die Wechseljahre nicht wegregulieren.

Die Eierstockfunktion verändert sich mit zunehmendem Alter. Die Zahl der Follikel nimmt ab, Eisprünge werden seltener und irgendwann endet die zyklische Eierstockfunktion.

Das gehört zur weiblichen Biologie.

Mein Ziel besteht deshalb nicht darin, einer Frau mit 60 hormonell wieder den Zustand einer 30-Jährigen zu geben.

Die entscheidende Frage lautet vielmehr:

Wie gut kann ihr Körper mit dieser neuen hormonellen Situation umgehen?

Manche Frauen erleben kaum Beschwerden.

Andere leiden unter Schlafstörungen, Hitzewallungen, Erschöpfung, Gewichtszunahme, Stimmungsschwankungen, Gelenkbeschwerden oder massiven Veränderungen ihrer Belastbarkeit.

Und genau deshalb reicht es mir nicht, ausschließlich auf einen einzelnen Hormonwert zu schauen.

Hormone ja oder nein ist die falsche Frage

Die Diskussion um Hormone wird häufig unnötig schwarz-weiß geführt.

Entweder Hormonersatz wird als Lösung für nahezu alles dargestellt.

Oder Hormone werden grundsätzlich abgelehnt.

Beides halte ich für zu einfach.

Eine Frau kann Hormone benötigen und gleichzeitig ihren Stoffwechsel unterstützen.

Sie kann Estradiol verwenden und trotzdem ihre Schilddrüse, Leber oder Mikronährstoffversorgung im Blick behalten.

Sie kann Progesteron einsetzen und gleichzeitig an Schlaf, Stressregulation oder Blutzucker arbeiten.

Und sie kann sich bewusst für einen naturheilkundlichen Regulationsansatz entscheiden.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht:

Hormone ja oder nein?

Sondern:

Welche Unterstützung braucht diese Frau in ihrer aktuellen Lebensphase?

Nach über 17 Jahren Frauenheilkunde ist genau das für mich der entscheidende Punkt.

Nicht nur fragen:

Welches Hormon fehlt?

Sondern:

Warum ist die Regulation aus dem Gleichgewicht geraten und was braucht der Körper jetzt?

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